Hessnatur stellt sich kritischen Kunden

Nach der Kommunikations-Katastrophe, in die Hessnatur und sein Käufer Capvis geraten waren, bemüht man sich in Butzbach, nunmehr Offenheit und Transparenz gegenüber der kritisch interessierten Öffentlichkeit zu demonstrieren. Am 8. Februar 2013 lud die Hessnatur Geschäftsleitung zum Zweiten Runden Tisch mit Kunden ein. Nachfolgend mein Kommentar zur Veranstaltung, den ich auch auf dem Hessnatur Unternehmensblog hinterließ.

Foto: Hessnatur GmbH / Michael Krause

Foto: hessnatur-Blog

So, jetzt ist die Lieferzeit meines Kommentars zum zweiten Runden Tisch bei Hessnatur glatt vergleichbar mit den Beschaffungszeiten rarer Ökotextilien … Aber als Kundin freue ich mich immer, wenn das lange ersehnte Teil dann doch eintrifft – hoffen wir, dass ich auch mit meinem Kommentar denen, die dazu sicherlich auf Feedback gewartet haben, ein paar Eindrücke geben kann.

Als Teilnehmerin beim zweiten Runden Tisch konnte ich aus erster Hand sehen (oje, Kalaueralarm!), dass sich Hessnatur nach den katastrophalen Kommunikationspannen vor, während und nach dem Unternehmensverkauf an Capvis nun wirklich bemüht, interessierten aber bisweilen sehr kritischen Kunden Ein- und Durchblicke ins Unternehmen und die dahinter stehenden Prozesse und Rahmenbedingungen zu geben. Leider nur drei Kunden waren gekommen (es gab einen krankheitsbedingten Ausfall, doch anderswo war ja auch die Weigerung einiger Kritiker zu lesen, sich in diesen Dialog zu begeben, Dialog wollte man zwar, aber offenbar nur auf eigenem Terrain.)

Mit uns um den runden Tisch herum saßen Vertreter von Hessnatur und Capvis, die sich tatsächlich bemühten, mit uns ein offenes Gespräch zu führen. Es gab kein Programm, keine Botschaften, die man unbedingt bei uns abladen wollte, sondern wir Kunden bestimmten im wesentlichen die Gesprächsagenda. Keine Spur von Manipulation, vielleicht vertraute man auf unsere Harmlosigkeit aber vielleicht hatte man auch einfach nichts zu verbergen.

Haben wir das genutzt zu kritischen Nachfragen?

Haben wir die Damen und Herren gegrillt und geröstet?

Na ja, zu den bekannten Bedenken wurden natürlich die bekannten und schon vielfach, auch hier, publizierten Antworten geäußert und nein, natürlich können wir nicht hinter die Stirnen schauen, wie viel Wahrhaftigkeit sich hinter denen verbirgt. ABER – wir konnten in die Augen sehen, insbesondere im Verlauf eines Gesprächs, dass sich, am Ende orientiert an den Kundenfragen, weg wandte von der Vergangenheitsbewältigung und Gewissenserforschung und hin zu den uns dann mehr interessierenden Fragen:- Wie funktioniert dieses Unternehmen?- Was ist das Besondere an der Entwicklung und Beschaffung so besonderer Waren?- Wie ticken die Menschen, die das auf die Beine stellen?- Wie soll sich das Ganze weiter entwickeln?- Was wünschen sich die Kunden vom Unternehmen?

Je weiter der Dialog sich entfernte von Selbstverteidigung und hin zu konstruktiven Themen der Zukunft, desto mehr Begeisterung versprühten alle Beteiligten. Und genau da habe ich als verunsicherte und kritische Kundin dann beschlossen, auf meine Intuition zu hören und den Menschen die vor mir saßen, Vertrauen zu schenken. Vertrauen in ihren Willen, eine tolle Sache weiterzutreiben. Die einen, weil sie darin ein gutes Geschäft sehen (ist das anrüchig?). Die anderen, weil sie überzeugt sind, das Richtige zu tun. In Wahrheit vielleicht jeder von beidem ein wenig. So wie Kunden wie ich ja auch vielfältig motiviert sind, bei Unternehmen wie Hessnatur zu kaufen: öko und fair soll es sein, aber was hilft das alles, wenn ich es mir nicht leisten kann oder es mir nicht gefällt? Eine Gesinnungspolizei brauchen wir jedenfalls nicht, sondern Menschen, die aus vielen verschiedenen Gründen etwas tun, was unserer Welt mehr nützt als schadet. Ich habe beim Runden Tisch in Butzbach den Eindruck erlangt, dass Hessnatur in der neuen Konstellation konsequent auf seinem bisherigen Weg weitergehen will. Wir Kunden sollten das konstruktiv kritisch begleiten. Der am 1. Juni zum ersten Mal tagende Kundenrat wird dazu sicher seinen Teil beitragen.

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2 Gedanken zu „Hessnatur stellt sich kritischen Kunden

  1. Monopoly

    auch wieder nur eine pr masche. oder haben sie euch die bücher gezeigt und den kaufvertrag ?
    ihr lasst euch instrumentalisieren und seid auch noch stolz darauf.

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    1. EstherEsther Artikelautor

      Natürlich kann man als Besucher in so einem Meeting nicht unmittelbar überprüfen, ob die Gesprächspartner lügen. Aber man merkt sehr wohl, ob die Menschen, mit denen man es zu tun hat, von ihrer Sache überzeugt sind oder nicht. Und da waren keine glatten Verkäufer sondern Mitarbeiter, die mit Herzblut für ihre Sache stehen.
      Ich bin der Meinung, dass Hingehen und mit den Leuten reden die beste Option ist. Die Öffnung, die hessnatur jetzt gegenüber Kunden betreibt wäre sehr riskant, wenn man allzuviel zu verbergen suchte.

      Antworten

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