Was Herr Sommer von Hessnatur einer Kundin zu sagen hatte (2/3)

Vor meinem Besuch hatte ich Herrn Sommer ein Mind Map geschickt, auf dem ich versucht habe, die in der Öffentlichkeit diskutierten Fragen zum Verkauf des Unternehmens im Überblick darzustellen.

Quo Vadis HessnaturMein Gesprächspartner legt auch gleich seinen – ökologisch korrekten – Ausdruck auf Altpapier auf den Tisch. Fast schäme ich mich etwas für mein eigenes, quietschbuntes Exemplar. Er beginnt, alle darauf genannten Punkte abzuarbeiten, nahezu ohne Punkt und Komma. Augenscheinlich ist es ihm sehr wichtig, bei der Gesprächspartnerin alle Zweifel auszuräumen. Ohne eine einzige Rückfrage an mich, wen er da mit welchem Hintergrund oder welcher Motivation vor sich habe. Kann das gelingen?

Was bei mir ankam (aber von meinem Gesprächspartner nicht unbedingt wörtlich so gesagt wurde):

Die Genossenschaft …
… eine gute Idee, die auch zunächst von großen Teilen der Mitarbeiterschaft getragen wurde – aber es hat am Ende einfach nicht gereicht mit dem Angebot. Es habe auch überhaupt zu keinem Zeitpunkt ein den Vorgaben der Verkäuferin entsprechendes offizielles Kaufangebot der hnGeno gegeben.

Die Mitarbeiter …
… seien die Querelen um die hnGeno mittlerweile Leid und wünschten sich nun ein ruhiges Klima zum Weiterarbeiten und weniger öffentliche Diskussion um den nun schließlich rechtsgültig vollzogenen Verkauf an Capvis.

Der Investor (Capvis) …
… sei hochinteressiert an einem ökologisch und nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen wie hessnatur. Schließlich habe man dies als relevantes Zukunftsthema erkannt und wolle deshalb hessnatur ermöglichen, die immensen Wachstumspotentiale auch zu entwickeln. Zum Nutzen von Investoren und hessnatur gleichermaßen. Damit dies gelingen könne, sei der Investor selbstverständlich daran interessiert, die Kernwerte von hessnatur – Ökologie und faires Wirtschaften – auch zu erhalten und zu unterstützen. Anders könne man ja das Unternehmen gar nicht weiterentwickeln.

Der Beirat …
… hat mit Götz Werner (dm Drogeriemärkte) einen glaubhaften, hochrespektablen Garanten für am Menschen orientiertes, erfolgreiches Wirtschaften. Und einen umtriebigen, fordernden Ideengeber und Sparringspartner, den man sich gut als treibendes Gewissen (unternehmerisch und moralisch) vorstellen kann.

Vivek Batra, das andere externe Beiratsmitglied, ist dem Laien eher nicht so bekannt. Er sei Modespezialist (derzeit als Geschäftsführer eines deutschen Premium Designerlabels, Dorothee Schumacher: “Einzigartige Lieblingsstücke für Prinzessinnen mit Stil“) mit internationaler Erfahrung.

Die Geschäftsleitung …
… nach dem Scheitern des Unternehmenskaufs durch die vom alten Geschäftsführer Wolf Lüdge anscheinend nicht nur heimlich favorisierte Genossenschaft war die weitere Zusammenarbeit wohl schwierig geworden. Überdies sind Managementwechsel nach Firmenverkäufen eher die Regel als eine Ausnahme.

Durch den bereits im Jahr 2011 dazugekommenen zweiten Geschäftsführer Maximilian Lang habe man aber die Kontinuität gewährleisten können und überdies für die Weiterentwicklung wichtige Expertise ins Unternehmen bringen können. Dass sie investitur dieses zweiten Geschäftsführers bereits eine Vorbereitung von langer Hand auf den Firmenverkauf sein könnte, läßt Marc Sommer unkommentiert.

Mein Gesprächspartner Marc Sommer selbst, der aus seiner früheren Rolle als Vorstand des dann insolvent gewordenen Arcandor Konzerns hessnatur von ganz oben und aus der Ferne kennengelernt hat, will hier seine Sehnsucht nach konkretem unternehmerischem Gestalten ausleben.

Vorläufiges Fazit

Marc Sommer ist sicher alles andere als ein Öko-Fuzzi der ersten Stunde, aber wer wollte das verurteilen? Seine Beraterrolle beim Verkauf von Hessnatur an den Private Equity Fonds Capvis mag von Anfang an taktisch auf die Übernahme der Geschäftsführung bei Hessnatur ausgelegt gewesen sein. Macht ihn das zu einem schlechten Öko-Manager? Und nur das ist hier für mich die Frage.

Mit welchem Eindruck gehe ich aus diesem Gespräch? Kann und will ich hessnatur (und seinem Investor) vertrauen, dass der eingeschlagene Weg verantwortlichen Handelns in Bezug auf Ökologie, Nachhaltigkeit und Fairness nicht an den Kommerz verraten wird? Ist das Verhalten bis hierher nun die ehrliche Bemühung um Offenheit und Transparenz oder hinterhältige, opportunistische Bauernfängerei mit dem Ziel, der naiven Kundschaft Sand in die Augen zu streuen?

Bevor ich mich an die Beantwortung dieser Fragen mache, gehe ich jetzt erst einmal im hessnatur Laden einkaufen und werde mich auch dort mit einigen Mitarbeitern unterhalten! Feldforschung sozusagen.

[Fortsetzung und Schluss folgt hier]

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